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Gibt es nachhaltigen Konsum?

Beim Lesen verschiedenster Minimalismus-Threads in divseren Online-Foren fiel mir neulich einmal mehr verstärkt auf, dass es für mich subjektiv zwei Ströme von Minimalisten gibt.

Die Optimierer

Sie sind überfordert von der schieren Auswahl an Produkten und Möglichkeiten, waren oder sind ein wenig gefangen im „höher-schneller-weiter“-Denken und wollen ihren Lebensstandard ihren veränderten Bedürfnissen anpassen. Meist handelt es sich hierbei um Frauen Mitte 20 – das erste Geld wurde verdient, die ersten größeren Anschaffungen getätigt, die Ansprüche wachsen. Man möchte keine Plastiktäschchen oder -schühchen für 10 Euro mehr tragen, man achtet das erste Mal wirklich auf Qualität von Ge- und Verbrauchsgegenständen. Man braucht Dinge, die wirklich funktionieren im Alltag – da kann es auch gerne mal ein bisschen mehr kosten.
Statt Sache nur mit der Prämisse „immer mehr“ anzuhäufen – beliebt ist hier immer das Bücher- oder DVD-Regal oder die Nagellacksammlung – möchte man nur noch ausgewählte Lieblingsstücke. Und so wird aussortiert.
Die Falle: sehr häufig wird hier nur ausgesondert, um den unpassenden Gegenstand danach durch eine bessere Version zu ersetzen – was langfristig Sinn machen mag, aber nachhaltig ist das nicht. Zum Beispiel: 3 tragbare, aber nicht ideale Jeans gegen ein traumhaftes Modell. Oder einen ganzen Berg „für daheim noch gut“-Gammel- und Schlafkleidung gegen zwei passende Sets. Das zieht sich durch sämtliche Bereiche – Küchengeräte, Elektronik, Deko, Heimtextilien und so weiter.
Zwar werden die ausgesonderten Gegenstände in den meisten Fällen sinnvoll entsorgt – verkauft oder gespendet – aber letzten Endes drehen sich die Gedanken der Optimiererin doch nur um den geplanten und reflektierten Neukauf von Waren.

Minimalismus - Nachhaltig shoppen optimieren

Bedacht kaufen – aber gekauft wird dennnoch

Die Nachhaltigen

Der zweite große Strom sind die nachhaltigen Minimalisten. Hier wird nichts weggeworfen, sondern repariert, ge-upcycelt, auf Müllvermeidung geachtet, ökologisch möglichst bedacht gelebt. Minimalismus nicht als Selbstzweck, sondern zum Gemeinschaftswohl.
Es geht nicht mehr nur um den Besitz, sondern auch viel um damit verbundene Themen – Müll reduzieren, Plastik vermeiden, den ökologischen Fußabdruck verringern.
Hier finden sich häufig schon komplett im Leben stehende Personen, oft schon mit Familie und Kindern, wo naturgemäß schon mehr Besitz anfällt als in Single- oder Paarhaushalten.

Natürlich spiegeln diese Ströme nur mein subjektives Empfinden wider. Es gibt selbstverständlich auch andere Auffassungen, und es gibt Mischformen – darunter würde ich mich und die anderen Mädels hier zum Beispiel ansiedeln. Wir kaufen alle noch gerne und bewusst, versuchen uns aber auch an Nachhaltigkeit und dem Selbermachen, was manchen Anhängern der ersten Kategorie dann doch zu „öko“ oder anstrengend ist. Für uns stellt es jedoch ein spannendes Hobby und neue Herangehensweisen dar – zum Beispiel das Experiment „Zahnpasta selbermachen“:

Minimalismus muss im Alltag funktionieren

Minimalist heißt nicht zwingend, nachhaltig zu handeln, begrifssklärend geht es schlicht darum, mit für das individuelle Empfinden wenig/ausreichend/genug zu leben. Und für jemanden, der mal 3 Autos oder ein 15qm-Ankleidezimmer hatte (das gibt es nicht mehr nur in Hollywood, derartig – in meinen Augen – kranker Konsum wird auch für den Normalbürger immer erreichbarer) – ist natürlich „genug“ dann etwas ganz anderes.
Für jeden von uns, egal welcher Gesinnung, stellt sich aber irgendwann auch die Frage – die mich auch zu diesem Post inspiriert hat – gibt es nachhaltigen Konsum?

Maria von „Widerstand ist zweckmäßig“ hat sich neulich ausführlich darüber Gedanken gemacht. Sie sagt, nachhaltigen Konsum kann es gar nicht geben – aber egal, aus welcher Richtung man sich diesem Thema nähert, es fällt immer wieder das gleiche Stichwort: „Postwachstumsökonomie“. Doch bevor ich euch in meinem nächsten Beitrag erkläre, worum es da überhaupt geht, würde ich gerne die Ausgangsfrage in den Raum stellen und freue mich über eure Meinung dazu! Wie steht ihr zu dem Thema und unter welcher oben beschriebenen Kategorie würdet ihr euch sehen?

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  1. Ich sehe mich da definitiv auch als Mischform! Bei den Jeans habe ich mich direkt ertappt gefühlt, ich bin nämlich gerade auch dabei, 2 von 3 alten, ausgeleierten/fleckigen gegen hochwertige neue zu tauschen. Ich kann deine Einteilung gut nachvollziehen, aber ich glaube, dass es sich da eher um zwei Enden einer Skala handelt. Jeder, der sich für Minimalismus begeistern kann, hat glaube ich auch das Potential, Nachhaltigkeit zu verstehen. Wie sehr man das aber wirklich lebt, hängt glaube ich vor allem vom Engagement aus, zu dem man bereit ist. Und das kann sich ja auch mit der Zeit steigern. Ich glaube, so war/ist es bei mir!
    xx

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  2. „Nachhaltiger Konsum“ ist mE ein Widerspruch in sich. Für mich ist der Begriff „Konsum“ negativ besetzt mit kaufenkaufenkaufenkaufen – um des Kaufens willen. „Wegwerfmentalität“ steckt da gefühlt schon mit drin. Deshalb passt für mich das Wörtchen „nachhaltig“ gar nicht dazu.

    Ich bin definitv Typ II. Gekauft wird bei mir nur dann etwas, wenn ichs wirklich unbedingt brauche. Vorher wird aber, wenn irgend möglich, geguggt, ob sich das Teil nicht anderweitig ersetzen lässt. Klamottenkaufen – nur wenns gar nicht anders geht. Und dann auch nur im Second-Hand-Land. (Einen normalen Klamottenladen kann ich mittlerweile nicht mehr betreten, weil es da so stinkt. Die ganzen chemischen Ausdünstungen sind bei Gebraucht-Kleidung schon weg. Schlimmstenfalls stinkts da nach parfümiertem Waschmittel)

    Am liebsten mag ich, wenn ich vorhandene Dinge modifizieren/zweckentfremden/upcyceln kann für das, was gerade benötigt wird. Deshalb lasse ich gerne erstmal die „Lücke“, wenn ein Ding kaputt gegangen ist und überlege, wie ich diese Lücke schließen kann (ob das überhaupt nötig ist) und da kommen oft schöne kreative Ideen dabei rum.

    Aktuell „produziere“ ich recht viel Müll, da ich die Wohnung meiner Mutter ausräume. Hier hilft mir zwar der Gedanke, dass es nicht _mein_ Müll ist, sondern der meiner Mutter (nicht, dass sie tatsächlich in Müll gelebt hätte!), aber es macht mir wieder einmal sehr deutlich, dass _alles_, was du ins Haus reinträgst, letztlich auf dem Müll landen wird. Selbst die Dinge, die verschenkt, verkauft, recycelt, etc. werden, haben zwar erst noch ein weiteres Leben (was sehr löblich ist!!) – landen am Ende aber trotzdem im Müll. Ausnahmen sind Lebensmittel bzw. Verbrauchsmittel wie Waschpulver, Seife, etc. – wobei oft auch wieder Verpackungsmüll anfällt.

    Diesen Gedanken im Hinterkopf zu haben – dass alles, was gekauft wird, genau genommen schon Müll ist – hilft schon enorm, sinnlosen Konsumismus einzudämmen.

    Wenn man dann den Gedanken noch weiterspinnt und sich klar macht, dass alles, was _produziert_ wird, Müll ist, und unser Planet zerstört und ausgebeutet wird, um diesen Müll produzieren zu können – hm, dann sollts eigentlich der Letzte begriffen haben, dass irgendwas voll daneben geht. :(

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  3. Hallo Kati!

    Deine Aufteilung der Minimalisten finde ich sehr interessant.

    Auf vielen Blogs vertreten findet man häufig den Typ I wie Du ihn beschreibst. Wobei ich festgestellt habe, dass häufig mit der Zeit eine Entwicklung hin zum Typ II stattfindet.

    Ich sehe es daher auch eher so mit zwei Ende einer Sache, daher auch die Mischformen, wie Du und andere es nennen. Wobei nicht gesagt ist, dass man auf der einen Seite anfängt und auf der anderen aufhört.

    Vermutlich hat vieles auch mit dem Lebensstatus zu tun. Sprich Single, Partnerschaft, Familie oder Kinder sind bereits ausgezogen. Dadurch ergeben sich naturgemäß Veränderungen.

    Mein letzter Anstoß war der Auszug der Kinder und damit verbunden ein Hinterfragen meines Lebenskonzeptes.

    Dadurch war der Weg offen hin zu Typ II.

    Danke fürs Verlinken zu meinem Beitrag!

    lg
    Maria

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