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min vs. max – vom Selbststudium und Entrepreunership

Anschließend zum letztwöchigenvorangehenden Post zum Thema will ich euch heute gern mal ein paar Alternativem zum oft stumpfen Uni-Lernen vorstellen. Noch kann ich nicht aus meiner Haut und lerne großteils wirklich noch unter „Lebenslauf-Verwurstungszwang“, daher schreib ich euch meine Tipps mit dazu, aber eigentlich will ich auch motivieren, ein bisschen über den Tellerrand zu gucken. Do what you love! Danke für eure zahlreichen Kommentare, ich bin wirklich ein bisschen erleichtert, dass es nicht nur mir so geht.

Einerseits will man mitmachen, will auch für etwas “brennen” und seine Arbeit mit Leidenschaft machen – aber andererseits wird mir immer klarer, dass das ganze System darauf ausgelegt ist, dass jeder so denkt; dass sich jeder so im Wettbewerb zu anderen sieht, dass er sich selbst so bestmöglich optimiert. Dafür braucht es keinen auferlegten Zwang mehr, das funktioniert heute von ganz alleine, weil ständig von allen Seiten an die Freiheit, Eigenverantwortung und an “jeder ist seines Glückes Schmiedes” appeliert wird. Wer kann, mache mit – wer nicht kann, hat Pech gehabt. Schließlich ist er selbst für sein Glück verantwortlich und hat es halt offensichtlich nicht geschafft.                                                                                                       ___Mirjam per Kommentar

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen ;)

Bei meinen Recherchen zu diesem Post habe ich mich zu den zwei Dingen, die ich gerne vorstellen will, weiterreichend informiert und stieß auf viel Zuspruch, aber auch einen Haufen Kritik. Auf unendlich viele Artikel zum Thema zeitgemäß lernen (viele richtig gut, ich verlinke im Abschluss ein paar) und „Study-Life-Balance“, zu endlosen „So nutzt du einen Tag am besten-Planungs-Apps“, die, glaubt man jenen Seiten, gerade als Student absolut unverzichtbar sind und die man auf seinen sämtlichen mobilen Endgeräten immer schön synchronisieren und dabei haben kann. Mein erster Gedanke: „Wow cool wie praktisch, brauche ich!“ Mein zweiter: „Och ne. Dann hab ich, egal welches Gerät ich grad benutz, immer den To-Do-Listen-Druck…“

Vorstellen wollte ich euch heute gerne eine Seite, die auch in dem Kommentaren zum letzten Post sofort aufgetaucht ist – vielen ist sie also wohl schon bekannt. Es handelt sich um das Projekt anti-uni.com von Ben. Ben ist 23, hat sein Studium an einer Elite-Uni abgebrochen und lernt im Selbststudium. Darüber bloggt er und davon lebt er auch. Auf seinem Blog findet ihr viele Infos, Anstöße, Geschichten von anderen, die das ganz genau sehen wie er.

Als ich die Seite entdeckt hab, war ich erstmal ziemlich skeptisch. „Mach dein Ding, du schaffst alles!“ – derartige Sinnsprüche sind halt numal einfach weltfremd und motivieren den Realisten nicht. Man findet wirklich viele gute Tipps und Anstöße, aber meiner Meinung nach ist die Lebensart, die Ben vermitteln will und anregt, nur für die, die schon in die oberen zehntausend reingeboren wurden, umsetzbar. Ich kann mich nicht auf „mein Ding“ konzentrieren, wenn ich nebenbei halt noch arbeiten MUSS; um die Miete zu zahlen. Im Prinzip ist der Gedanke, Bildungsinhalte auch fern der Uni zugänglich zu machen ja was feines. Nur dass sich das Ganze wiederum nur an die richtet, die eben auch die Zeit und Absicherung im Hintergrund haben, ist problematisch.

Seine Aussagen sind teilweise auch etwas gewagt, was die Leichtigkeit einer Unternehmensggründung angeht. Ein Studium wird zwar nicht vonnöten sein, Fachwissen aber auf jeden Fall. Es sei denn, man sourct halt alles out, was nicht der eigene Fachbereich ist – ins Steuerrecht oder ähnliches arbeitet man sich nicht mal eben so nebenbei (denn wir machen ja „unser Ding“, wir erinnern uns! Und Steuern gehören da nicht dazu) parallel zur eigentlichen Beschäftigung ein. Zufällig, da ich mich gerade selber über Kleinunternehmer-Regelungen informiert hab, kann ich auch definitv sagen: ja, man findet alles im Internet. Aber wie vertrauenswürdig sind diese Quellen? Möchte ich mein Unternehmen wirklich auf Halbwissen aufbauen? Mir wär’s zu riskant.

// an dieser Stelle muss ich kurz dazu sagen, diesen Teil des Postes hatte ich tatsächlich schon ein Woche nach Erscheinen von Teil 1 fertiggestellt. Inzwischen habe ich mich in das Thema mehr eingearbeitet, lese Bücher, schaue Podcasts, recherchiere im Internet. Denn eines der größten Projekte fürs kommende Jahr wird – ich trau es mich fast noch gar nicht zu schreiben, falls es dann doch scheitert – eine eigene Firma sein, beziehungsweise zumindest, gleichberechtigte Inhaberin. Zu verlieren habe ich nichts, außer Zeit :) Beim Gedanken daran werde ich ganz kribbelig und bekomme fast Angst vor dem eigenen Engagement, aber mehr als Scheitern und dabei auf jeden Fall Erfahrungen sammeln kann ich ja nicht. Und ein eigenes Projekt wäre in jedem Fall eine Sache für die ich viel mehr brenne als jegliche Beschäftigung, die mir ein Angestellten-Verhältnis bieten kann… doch zurück zum Thema.

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Anti-Uni ist auf jeden Fall eine Seite, die viel motivierendes ausstrahlt, tolle Link- und Buchtipps bietet und auch wenn man mit der neudeutschen „Entrepreunership“ nicht soviel anfangen kann, immer zu persönlicher Bildung und Entfaltung aufruft. Schönes Ding, allerdings auch mit berechtigten kritischen Stimmen.

Doch generell wird es in Richtung Bildung glaube ich sehr bald in eine neue Richtung gehen (müssen): Zahlen und Fakten aus dem Stegreif aufzusagen, ist im Zeitalter des allgegenwärtigen Internets irgendwie unnötig. Einen guten Grundstock an Allgemeinbildung kann es natürlich nicht ersetzen, auch, weil weitreichende Zusammenhänge mit ein wenig googlen oft nicht offensichtlich zu Tage treten, aber ich finde, dieser Artikel des Studiblogs bringt es gut auf den Punkt:

Das Phänomen der Education Hacker ist stark mit dem Internet verbunden und dem Umstand, dass unsere Welt in vielen Bereichen „high-speed“ geworden ist. Des weiteren ist unsere Welt „VUCA“ geworden: volatile, unpredictable, complex and ambivalent. Man denke nur an Bereich wie high-frequency trading, Neurologie, 3D&Film Animation, Programmierung (manche Programmiersprachen kann man nur im Selbststudium lernen!), etc. In all diesen Bereichen ist die Entwicklung so schnell, dass Wissen schnell absolet ist. Unternehmen merken dies auch – müssen Sie, denn sonst fallen Sie hinter jene, die es erkennen. Education Hacker erlernen Disziplin, Methodik, Routine im Erlernen UND Anwenden von Neuem. Vorallem das Anwenden unterscheidet Sie von Unis. Fazit, viele Bereich brauchen Leute mit diesen Skills. Die Frage unserer Zeit ist nicht – Weißt du das? Sondern es ist wie kannst du es in Erfahrung bringen? Der Mehrwert etwas zu wissen ist oft sehr gering, weil es ohnehin abrufbar ist. Auf der anderen Seite bleiben die „klassischen“ Berufe. Ein Mediziner oder Steuerberater kann sich vieles nicht selbst beibringen bzw. muss einer gewissen Struktur folgen. Daran wird sich auch nichts ändern. Education Hacking hat daher aus meiner Sicht einen klaren Platz in unserer zukünftigen Gesellschaft. „The times are a changing“

Meine Lieblingsseite zum „Education hacken“ – oder langweiliger: sich selbst weiterbilden – ist schon seit längerem iversity. Neben diversen Programmen (3D, Video…) und Programmiersprachen, die ich fürs Studium lernen muss und für deren Erlernen es nochmal spezifische Portale und Seiten gibt, eigne ich mir auch gerne „fachfremde“ Dinge an und finde das Konzept und auch die Umsetzung wirklich toll:

iversity bietet Kurse zu den unterschiedlichsten Themen durch qualifizierte Dozenten an – und das völlig kostenfrei und flexibel. Meist gibt es die Lehreinheiten per Video mit weiterführenden Materialien, die man sich runterladen kann, und zum Austausch mit anderen „Mit-Studenten“ steht auch immer ein Forum bereit. Unter dem Motto „Study anywhere“ will iversity „die traditionellen Hochschulen nicht ersetzen, sondern Lehrenden die didaktischen Mittel des 21. Jahrhunderts an die Hand geben.“ Seit Kurzem besteht auch die Möglichkeit, die beim Kursabschluss erworbenen Zertifikate tatsächlich aufs eigene Studium anrechnen zu lassen – das ist zwar kostenpflichtig, ermöglicht so aber eine personalisiertere Bildung mit eigenen Modulen – ein Thema, was ich schon im letzten Beitrag als wünschenswert genannt habe :) Neben iversity gibts noch viele weitere und ähnliche Portale, die ich mir zwar noch nicht selbst angeschaut habe, aber Ben hat hier einige zusammengetragen.

Damit ihr aber mal einen groben Einblick bekommt, was man sich so alles online angucken kann – diese Kurse hab ich bisher absolviert:

iversity_kurse

Ich kann’s wirklich nur empfehlen – mir hat’s Spaß gemacht und falls es doch nicht gefällt, kann man ja jederzeit aufhören. Ich finde das Lernen so aber angenehmer als das Wälzen von Fachbüchern etc ;) Kennt und nutzt ihr solche Portale auch? Generell interessiert mich natürlich wieder eure Meinung zum ganzen Thema, wie schon beim letzten Mal!

Abschließend verlinke ich euch noch einen weiteren Post zum Thema – auch Mary Lane hat sich mit Arbeit und Berufung auseinandergesetzt und kommt zu einem schönen Schluss.

3 Kommentare

  1. oh jetzt bin ich aber baff! da les ich mir den artikel durch und seh plötzlich meinen namen.. du bist ja lieb :D
    ich sehe anti-uni auch recht kritisch. vieles hilft bzw regt zum nachdenken an. ich persönlich kann mit diesem ganzen „rock dein leben“-gedöns und diesen ständigen anglizismen irgendwie nichts anfangen. ^^

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  2. Hey Kati,

    danke für den netten Beitrag.

    Ich möchte dich ganz gerne bitten das Zitat, das du angeblich auf meinem Blog gefunden haben willst zu berichtigen. So habe ich das nämlich nie geschrieben und so findest du das auch nirgends auf meinem Blog. Zu zitieren lernt man doch eigentlich in der Uni…könnte ich da glatt sagen. ;)

    Was deinen Plan Unternehmerin zu werden angeht: Das freut mich und ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg dabei!

    Ich wollte damals auch unbedingt lernen, wie ich Unternehmer werde. Und Unternehmer zu werden bedeutet weniger zu wissen, wie die Kleinunternehmer-Regelung funktioniert (die kann ich wirklich im Internet nachschauen bzw. eine vertrauliche Quelle befragen) oder was sonst ein Gesetz sagt. Und selbst dafür muss ich wirklich nicht 3 Jahre BWL studieren.

    Ich habe in den letzten zwei Jahren viele viele Unternehmer getroffen und viele sind meine Mentoren geworden. Von ihnen habe ich (in Kombination mit meinem aktiven TUN) schon jetzt mehr gelernt als ich je in einem Studium hätte lernen können. Und frag mal einen Unternehmer der BWL studiert hat, was es ihm wirklich gebracht hat.

    Viel Erfolg und viele Grüße,

    Ben

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    • Hey Ben,
      da ich das den entsprechenden Artikel – oder wars ein Kommentar irgendwo? – jetzt auch nicht mehr finden konnte, hab ich es natürlich editiert. Sorry dafür!
      Ansonsten bin ich gespannt, ob ich dann in absehbarer Zeit auch davon berichten kann, dass man es „einfach so“ schaffen kann – toll wär’s natürlich :)

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